Der Messebesucher – Sammler und Träger?

Am 12. und 13. Januar fand in der Messe Stuttgart die CMT-Tochtermesse "Fahrrad- & Wanderreisen" statt. Da sie quasi "vor der Haustüre" ist, fuhr ich hin, um mich über interessante Wanderziele zu informieren und diverse Outdoor-Bekleidung anzuschauen. Außerdem war auch mein Verlag als Aussteller vor Ort und ich nutzte die Gelegenheit, um mich mit dem netten Verlagsteam auf einen Kaffee und ein gemütliches Pläuschchen zu treffen.

Parkplatzsuche mit Tücken

Bereits kurz nach der Autobahnausfahrt stockt der Verkehr lange vor den Parkhäusern. Nach einer gefühlten Ewigkeit komme ich endlich am Presseparkplatz an, nur um von einem freundlichen Servicemitarbeiter informiert zu werden, dass alles besetzt sei und ich ins Parkhaus P40 fahren müsse. Er beschreibt mir den Weg dorthin und schließt mit den Worten "… und dann sehen Sie auch schon die Beschilderung zu P40".

Mit Zuversicht und Vorfreude fahre ich also los. Schnell stelle ich fest, dass entgegen seiner Beschreibung nirgendwo ein P40-Schild zu finden ist. Das höchste der Gefühle ist P33, höhere Nummern sind auf dem Parkleitsystem weit und breit nicht zu finden. Mein Blutdruck ist schon leicht erhöht, als ich am Straßenrand ein Fahrzeug des Messe-Verkehrsservice sichte. Der freundliche Herr hinter dem Steuer informiert mich, dass die Einfahrt zu P40 auf der anderen Seite der Autobahn sei und erklärt mir geduldig, wie ich dorthin komme.

Menschenmassen auf der CMT
Menschenmassen auf der CMT

Seinen Anweisungen folge ich penibel, komme aber zu Parkhäusern mit Nummern im 20er-Bereich und fühle mich wie im falschen Film. Entweder bin ich zu blöd oder gleich springt irgendwo grinsend Guido Cantz mit seiner versteckten Kamera heraus. Ich will mich schon meinem Schicksal ergeben und in die Blechlawine einreihen, die hier Einlass begehrt. Da erspähe ich wenige Wagen vor mir einen weiteren Mitarbeiter des Messeservice, der mit gelber Weste, Kelle und Lautsprecher die Fahrzeuge nach rechts lotst. Ich zeige ihm meine Presseakkreditierung und frage nach P40. "Ja klar," sagt er, "Sie scheren jetzt hier links aus, fahren zur Einfahrt hinunter, klingeln an der Schranke bevor Sie ein Ticket ziehen und sagen, dass Sie Pressevertreter sind. Das Ticket lassen Sie sich drinnen am Presse-Servicestand entwerten." An der Einfahrt, auf die er deutet, prangt ein Schild mit der Nummer P21, was mich verwirrt. "Nee das passt schon", sagt er, "das ist P40." Soll mir recht sein, denke ich, Hauptsache ein Parkplatz. Und nach insgesamt knapp einer Stunde nach Verlassen der Autobahn kann ich endlich mein Auto abstellen und mich zu den Messehallen begeben.

Menschenmassen und Messezombies

Nachdem ich meinen Wintermantel an der Garderobe abgegeben habe, gönne ich mir erst mal einen Kaffee. Nebenbei studiere ich den Hallenplan und kringele die Stände der Aussteller an, die ich besuchen möchte. Schon das Atrium der Messe ist voller Menschen, aber dort man kann sich noch recht gut bewegen, da sich die Menge großzügig verteilt. Da sieht es in den langen Zubringerkorridoren zu den einzelnen Hallen schon anders aus. Man merkt, dass das hier keine Fachbesuchermesse ist.

Menschenmassen strömen unablässig in beiden Richtungen auf den Korridoren. An den davon abgehenden Halleneingängen behindern sich Kommende und Gehende gegenseitig. Spontan stehenbleibende Besucher und Gruppen, sowie in ihre Smartphones vertiefte, dahinschlurfende Messezombies wetteifern scheinbar miteinander um den ersten Platz als Fortbewegungshindernis. Vor und auf den Rolltreppen stauen sich die Horden, während die breiten Treppen direkt daneben relativ frei sind.

Eine der CMT-Hallen
Eine der CMT-Hallen

In den Hallen selbst ist dann stellenweise kaum noch ein vernünftiges Vorwärtskommen möglich. An den Ständen der Aussteller stehen die Besucher teilweise in Trauben und versperren die Gänge. Der Geräuschpegel ist enorm. Gesprächsfetzen schwirren durch die Luft, kräuseln sich zwischen den Ständen, verharren dort kurz bevor sie sich verflüchtigen, scheinbar nur um einem dann an einer anderen Ecke wieder aufzulauern:

- Guck' emohl, des sieht doch aah gut aus…
- Sprechen die Einheimischen auch Deutsch oder nur die Landessprache?
- Nemm's mit, 's koscht ja nix…
- Nein Kevin, du wartest jetzt, bis wir hier fertig sind!
- Hen sie au Kugelschreiber?
- Des schmeckt aber gut – Heinz, do fahre mer des Johr hin…

Sammler und Träger

Trolleys für die Sammelwut
Trolleys für die Sammelwut

Als wäre all das Gedränge und Getöse nicht schon anstrengend genug, gibt es da noch die Spezies "Sammler und Träger" unter den Messebesuchern: Menschen, die große Kunststoffkisten auf Rädern hinter sich herziehen, von der Machart ähnlich den Einkaufstrolleys. Zuerst denke ich, das seien nur einzelne, besonders fleißige Sammler. Aber bald fällt mir auf, dass sehr viele solcher Trolleys von ihren Herrchen/Frauchen Gassi geführt werden. Zigtausende Jahre der Evolution, und aus dem Sammler und Jäger wird lediglich ein Sammler und Träger, ein Homo Collecticus?

Die Trolleys sind meist randvoll mit Prospekten und Broschüren zu allen erdenklichen Zielen der Welt – genug um sämtliche Urlaube für den Rest des Lebens zu planen. Mehr als ein Mal fallen mir auch vierrädrige Vehikel von der Größe und Machart von Kinderwägen auf. Darin liegen jedoch nicht etwa Säuglinge, was ja schon schlimm genug wäre (schlimm für das Kind wohlgemerkt), sondern – richtig: stapelweise Prospekte, Broschüren und Krimskrams! Wann wollen diese Leute das alles denn lesen, geschweige denn bereisen?

Während ich mir mit Mühe einen Weg durch die Massen bahne, bin ich hin- und hergerissen, worüber ich mich mehr ärgern soll: die Unmengen von Papier, die unreflektiert gesammelt und wahrscheinlich binnen weniger Tage ungelesen zum Altpapier geworfen werden; oder den gefühlt 83. Trolley, der mir gegen das Schienbein knallt oder über die Schuhe rollt?

Alles wird gut

Der Flexi-Gurt
Der Flexi-Gurt

Irgendwann gelingt es mir, ohne größere Verletzungen den Stand meines Verlags zu erreichen. Der Stand ist gut besucht und das Team berät jeden Standbesucher intensiv und fachkundig. Immer wenn sich bei jemandem vom Team eine kleine Lücke ergibt, nutzen wir die Gelegenheit und plaudern entspannt bei Kaffee und Cappuccino.

Später besuche ich noch ein paar der Aussteller, die ich mir notiert habe und führe einige sehr freundliche Gespräche. Der Hersteller des Flexi-Gurts gibt mir freundlicherweise ein Exemplar dieser praktischen Hüfttasche als Testmuster mit. Auf dessen Webseite/Onlineshop erhaltet ihr bei Eingabe des Gutscheincodes CMT2019 bis 3. Februar 20% Rabatt. Bei einer kleinen Joggingrunde vor ein paar Tagen hat sich der praktische Gurt bei mir jedenfalls bewährt.

 

BuGa-Geschäftsführer Hanspeter Faas
BuGa-Geschäftsführer Hanspeter Faas
Dr. Wolfgang Hansch spricht über die Experimenta
Dr. Wolfgang Hansch spricht über die Experimenta

Am späten Nachmittag erfahre ich auf der gemeinsamen Pressekonferenz der diesjährigen Bundesgartenschau, der Experimenta und der Stadt Heilbronn interessante Neuigkeiten über den Stand der Vorbereitungen. Den BuGa-Zwerg Karl, der auf der BuGa-Webseite als gratis 3D-Druckdatei downloadbar ist, gibt es als Leckerei aus Marzipan dazu.

Die BuGa in Heilbronn öffnet übrigens am 17. April dieses Jahres ihre Pforten und dauert bis 6. Oktober, das neue Experimenta-Gebäude öffnet am 31. März. Bei beiden lohnt sich ein Blick auf deren Webseiten – und ab dem Frühjahr ein Besuch vor Ort allemal.

 

BuGa-Zwerg Karl
BuGa-Zwerg Karl

Abends wieder zuhause prüfe ich meine Beine und Füße und stelle beruhigt fest, dass ich keine klaffenden Wunden von den Zusammenstößen mit den Trolleys davongetragen habe – nur ein paar Prellungen und Blutergüsse. Für den zweiten Tag der Messe bin ich vor den Sammlern und Trägern vorgewarnt. Alles wird gut.

Herzlichst
Euer Fuat

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