Der Pyrenäenweg GR10 – vom Atlantik bis zum Mittelmeer

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"In meinem Herzen liegt eine kleine Flocke, eben geboren, ein Ei: Sehnsucht nach den Pyrenäen." (Kurt Tucholsky)

Diese Worte des großen Kurt Tucholsky konnte ich sehr gut nachvollziehen, als ich am Ende meiner zweimonatigen Wanderung auf dem GR10 in Banyuls-sur-Mer angekommen war.

Die zwei Monate auf diesem Wanderweg (Juni und Juli 2017) waren ein unvergleichliches und unvergessliches Erlebnis. Wer noch nie in den Pyrenäen war, dem sei dieser fantastische Fernwanderweg wärmstens empfohlen. GR10 steht übrigens für Grande Randonnée 10 (auf deutsch: Großer Wanderweg 10).

Wer nun hofft, dass ich hier den detaillierten Wegverlauf beschreibe, den muss ich leider enttäuschen. Vielmehr möchte ich die Eindrücke schildern, die ich auf dieser grandiosen Wanderung sammeln durfte, und etwas über die Landschaften und Menschen erzählen, deren Bekanntschaft ich unterwegs gemacht habe.

Wer den Weg selbst wandern möchte, dem kann ich allerdings - Achtung Eigenwerbung 🙂 - meinen Wanderführer empfehlen, der im August 2018 beim Conrad Stein Verlag erschienen ist (Frankreich: Pyrenäenweg GR 10, ISBN 978-3-86686-575-4) und der sowohl über den Verlag als auch über den Buchhandel und Online-Händler bestellt werden kann. Darin habe ich den Wegverlauf ausführlich beschrieben, einschließlich Höhenprofilen, Karten, Infos zur An- und Abreise, Unterkünften, Verpflegung, Etappenaufteilungen, aktuelle Wegänderungen (Stand Sommer 2017), etc.

Der Weg beginnt in Hendaye an der französischen Atlantikküste, ca. 30 km südwestlich des mondänen, hierzulande wahrscheinlich bekannteren Urlaubsstädtchens Biarritz. Insider werden mir zustimmen, dass Hendaye es mit seinen kilometerlangen Sandstränden durchaus mit Biarritz aufnehmen kann. Auch im Winter noch ist Hendaye bei Surfern sehr beliebt. Es liegt direkt an der Grenze, in unmittelbarer Nachbarschaft zu den spanischen Orten Irun und Hondarribia. Beim Bummeln durch die Stadt kann es also durchaus vorkommen, dass man sich unverhofft in Spanien wiederfindet 🙂 .

Altes Casino in Hendaye
Altes Casino in Hendaye

Von Hendaye überquert der GR10 die Pyrenäen der Länge nach von West nach Ost und verläuft dabei immer recht nahe an der französisch-spanischen Grenzlinie. Gelegentlich folgt der Wegverlauf sogar exakt der Grenzlinie - man kann dann quasi mit dem linken Fuß in Frankreich und mit dem rechten Fuß in Spanien wandern 🙂 . Ein paar Mal überquert der Weg die Grenze gar vollständig, wobei man dann nicht weit südlich der Grenzlinie jeweils wenige Kilometer auf spanischem Hoheitsgebiet verbringt.

Seinen Abschluss findet der Weg im sehr schönen Banyuls-sur-Mer an der französischen Mittelmeerküste, ca. 10 km nördlich der Grenze zu Spanien. Banyuls ist nicht nur mit einem herrlichen, mediterranen Klima gesegnet. Es bietet auch mehrere schöne Buchten mit sauberen, öffentlichen Badestränden, von denen aus Frühaufsteher einen paradiesischen Sonnenaufgang erleben können. Auch bei Sonnenuntergang bietet Banyuls ein traumhaftes Bild, nicht zuletzt aufgrund der durchdachten Beleuchtungen der öffentlichen Plätze und Bauten. Nicht umsonst nennen die Banyulencs (so nennt man Banyuls' Einwohner) ihre Stadt "la lumineuse" (die Leuchtende).

Blick auf Banyuls-sur-Mer vom Col de les Vignes
Blick auf Banyuls-sur-Mer vom Col de les Vignes

Die Wanderung endet am GR10-Mosaik am Rathaus von Banyuls. Da das Rathaus direkt an der Strandpromenade steht, versteht es sich von selbst, dass ich nach dem obligatorischen, verschwitzten Selfie am GR10-Mosaik direkt zum Strand gegangen bin und erst mal die Füße ins Wasser getaucht habe.

Das obligatorische Selfie am GR10-Mosaik in Banyuls
Das obligatorische Selfie am GR10-Mosaik in Banyuls

Im kühlen Nass stehend realisierte ich dann allmählich, dass ich den GR10 erfolgreich beendet hatte. Zu meiner Freude gesellte sich ein wenig Wehmut, als ich mich an Kurt Tucholskys oben zitierte Worte erinnerte...

⇒ Weiter zu GR10 Allgemeines

⇒ Weiter zu GR10 Teil1: Pyrénées-Atlantiques

2 Kommentare

  1. Hallo Fuat,
    auf der Suche nach Informationen zum GR10 bin ich auf diesen tollen Blog gestoßen. Sehr wertvolle Eindrücke in die ersten Etappen!
    Ich habe zum GR10 recherchiert, weil ich mit meinen beiden Kindern (13+9) eine Hüttenwanderung durch die Pyrenäen machen möchte. Bei der Beschreibung der ersten drei Etappen bekomme ich aber den Eindruck, dass die Wanderung zu herausfordernd sein wird. Lassen sich die Etappen ggf. auch kürzer mit mehr Unterkünften gestalten, bzw. gibt es evtl. im weiteren Verlauf Etappen, die sich eher eignen würden? Sofern sich der GR10 für kürzere, Familien taugliche Etappen anbietet, würde ich wahrscheinlich in dem veröffentlichen Reiseführer Informationen für die Planung finden?
    Ich würde mich über eine kurze Rückmeldung freuen. Vielen Dank im Voraus und viele Grüße,
    Axel Schwaiger

    1. Hallo Axel,

      vielen Dank für Deine Frage, die für Familien mit jüngeren Kindern tatsächlich wichtig ist.

      Wie Du richtig vermutest, sind in meinem Wanderführer tatsächlich auch viele Unterkunftsmöglichkeiten aufgeführt, die sich nicht erst am Etappenende, sondern entlang des GR10 innerhalb der Etappe befinden. Mit Kindern ist es wichtig, dass man bewirtschaftete Unterkünfte finden kann, wo man auch Verpflegung bekommt (fast immer wird auch ein Lunchpaket für den nächsten Tag angeboten, Infos im Buch bei jeweiliger Herberge). Das sind z.B. Wanderherbergen (sogenannte “Gîte d’étape”) oder auch Hotels, Pensionen, bewirtschaftete Campingplätze, und oben auf dem Berg dann bewirtschaftete Berghütten.

      In meinem Wanderführer sind solche Möglichkeiten detailliert beschrieben, einschließlich Kontaktdaten und ob Verpflegung angeboten wird, sowie ungefähre Kosten (die sich aber jährlich ändern). Daraus können Familien mit Kindern sich entsprechend ableiten, ob eine Etappe für ihre Zwecke tauglich ist. Das hängt aber immer auch davon ab, wie wander- und/oder bergerfahren die Kinder sind. Ich habe Familien angetroffen, deren Kinder ungefähr im Alter eurer Kinder waren, die aber durchaus knackige Etappen gewöhnt waren.

      Für Deine Zwecke wären z.B. folgende Etappen aus meinem Buch solche, die mind. 1 bewirtschaftete Unterkunft ca. auf halber Etappenlänge (oder nach max. 15km) anbieten und sowohl am Anfang als auch am Ende eine bewirtschaftete Unterkunft haben:
      Pyrénées-Atlantiques (Pays Basque und Béarn): 1, 2, 3, 6, 7, 13, 15;
      Pyrénées-Centrales (Hautes-Pyrénées und Haute-Garonne): 15, 16, 17, 18, 28;
      Pyrénées-Ariégeoises: 34, 36;
      Pyrénées-Orientales: 44, 50, 52

      Folgende Etappen sind von vornherein kürzer als ca. 15km und kürzer als ca. 8 Stunden (nach DAV-Norm), aber manche ohne bewirtschaftete Herberge zwischendrin:
      Pyrénées-Atlantiques: 10, 11, 12;
      Pyrénées-Centrales: 20, 23, 24;
      Pyrénées-Ariégeoises: 29, 30a, 34, 38, 41, 42;
      Pyrénées-Orientales: 45, 46, 47, 49

      Prinzipiell sind die Pyrénées-Ariégeoises der Abschnitt, der am meisten Schwierigkeiten machen könnte, da er durch sehr dünn besiedelte Gegenden führt. Die würde ich daher erst mal ausklammern.

      Ich hoffe, dass euch diese Infos bei der weiteren Planung helfen.

      Herzliche Grüße
      Fuat

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